Schneelast auf dem Dach: Wann Räumen Pflicht wird und worauf Dachdecker achten müssen
Starker Schneefall sorgt jeden Winter für Unsicherheit bei Hausbesitzern und Dachdeckern. Die zentrale Frage lautet: Ab wann wird Schnee auf dem Dach gefährlich? Entscheidend ist dabei nicht die Höhe der Schneedecke, sondern ihr Gewicht. Gerade diese Tatsache wird häufig unterschätzt und kann im Ernstfall gravierende Folgen für die Standsicherheit eines Daches haben.
Schneelast ist nicht gleich Schneehöhe
Ein dünner, lockerer Pulverschnee wirkt harmlos, bringt aber deutlich weniger Gewicht mit als nasser Schnee oder Eis. Während zehn Zentimeter Neuschnee oft nur rund zehn Kilogramm pro Quadratmeter wiegen, kann die gleiche Höhe als Nassschnee bereits das Vierfache erreichen. Eine geschlossene Eisschicht ist besonders kritisch und bringt fast so viel Gewicht mit wie Wasser. Für die Praxis heißt das: Wenig Schnee kann gefährlicher sein als viel Schnee.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn Schnee antaut, gefriert und anschließend erneut Schnee darauf fällt. Solche Schichtaufbauten lassen sich von außen kaum einschätzen, erhöhen die Dachlast aber erheblich.
Woher weiß man, was ein Dach aushält?
Die zulässige Schneelast ist im Standsicherheitsnachweis des Gebäudes festgelegt. Ist dieser nicht greifbar, können Bauaufsichtsbehörden, Statikbüros oder Ingenieure weiterhelfen. Für Dachdecker ist dieser Wert die wichtigste Grundlage, um beurteilen zu können, ob Handlungsbedarf besteht.
Eisbildung als unterschätztes Risiko
Eis entsteht häufig durch mangelhafte Dämmung, Wärmeverluste oder eine nicht funktionierende Dachentwässerung. Bleibt Schmelzwasser stehen, bilden sich Wassersäcke oder Eisschichten, die zusätzliche Lasten verursachen. Gerade Flachdächer sind hiervon besonders betroffen, wenn Notentwässerungen fehlen oder verstopft sind.
Schneelast richtig einschätzen
Um das tatsächliche Gewicht zu ermitteln, kann eine Probe entnommen und gewogen werden. Dabei ist zwingend auf Absturzsicherung zu achten. Bei Steildächern muss die gemessene Schneelast zudem auf die Dachneigung umgerechnet werden. Bestehen Zweifel an der Berechnung, sollte immer ein Statiker hinzugezogen werden.
Wann muss geräumt werden?
Sobald die zulässige Schneelast erreicht oder absehbar überschritten wird, ist eine Räumung erforderlich. Wetterwarnungen liefern dabei wichtige Hinweise. Oft ist es sinnvoll, Altschnee vorsorglich zu entfernen, bevor neuer Schneefall angekündigt ist. Können Eigentümer dies nicht selbst leisten, sollten sie ein Fachunternehmen beauftragen.
Sicherheit geht vor bei der Schneeräumung
Das Betreten eines schneebelasteten Daches ist immer ein Risiko. Dachdeckung, Tragwerk und aktuelle Lastsituation müssen dafür geeignet sein. Der Schnee sollte gleichmäßig auf beiden Dachseiten entfernt werden, um einseitige Belastungen zu vermeiden. Verdeckte Bauteile wie Dachfenster oder Lichtkuppeln dürfen keinesfalls betreten werden. Jede zusätzliche Person bedeutet eine weitere Punktlast.
Kontrolle nach dem Winter nicht vergessen
Nach schneereichen Wintern empfiehlt sich eine Überprüfung des Dachtragwerks. Verformungen, Risse oder gelockerte Verbindungen können Hinweise auf Überlastungen sein. Ebenso sinnvoll ist eine Kontrolle vor dem Winter, inklusive Reinigung der Entwässerung, Prüfung von Schneefangsystemen und gegebenenfalls Nachrüstung einer Notentwässerung.
Fazit: Schneelast ist ein ernst zu nehmendes Thema für Dachdecker und Hauseigentümer. Wer rechtzeitig prüft, rechnet und handelt, schützt Gebäude, Menschen und sich selbst vor teuren Schäden und unnötigen Risiken.
Quelle: www.ddh.de
